Hakan und Thomas

Dank Little World nicht mehr allein

„Little World ist zu einem Teil meines Lebens geworden“, sagt Hakan. Der 45-jährige Erzieher aus der Türkei lebt seit sieben Jahren in Deutschland, vor drei Jahren hat er sich bei Little World angemeldet. „Am Anfang hatte ich aber wenig Zeit und wie das mit dem Sprachpartner finden funktioniert, das hatte ich auch nicht richtig verstanden“, erzählt er. Etwa vor einem Jahr begann er, regelmäßig an den Gruppengesprächen teilzunehmen. Dort traf er auf Thomas.

„Ich habe von Little World durch meine Frau Annette erfahren“, erinnert sich Thomas. „Ich habe gehört, wie sie Gespräche mit Menschen aus der ganzen Welt geführt hat und bin neugierig geworden.“ Leider klappte es mit seinen ersten Gesprächspartnern nicht, sich regelmäßig zu unterhalten. Bei einem Gruppengespräch hörte er dann, dass Hakan einen festen Gesprächspartner sucht, und meldete sich.

Ein Fenster zur Welt

Seitdem treffen sich die beiden jeden Sonntagabend. „Am Anfang haben wir nur so geredet“, sagt Hakan. Aber dann fing er an, eine Mischung aus Themen und Übungen für die Treffen zusammenzustellen. Denn eigentlich ist er Grundschullehrer, darf in Deutschland aber bisher nicht als solcher arbeiten. Nach der Arbeit macht er deshalb ein Abendstudium, um sich wieder als Lehrer zu qualifizieren. Nur am Wochenende hat er Zeit. In Deutschland hat er wie viele der Lernenden, die zu Little World kommen, bisher kaum Anschluss gefunden.

Thomas ist Jurist im öffentlichen Dienst und wollte früher auch mal Lehrer werden. Nachdem er aber durch einen Autounfall auf den Rollstuhl angewiesen wurde, musste er seine Pläne ändern und studierte stattdessen Jura. Für ihn und seine Frau ist Little World ein Fenster zur Welt. „Wir können nicht mehr groß raus in die Welt, dann kommt die Welt eben digital zu uns.“

Jeden Sonntag neue Themen

Der Bonner ist immer gespannt, mit welchen Fragen sein Gesprächspartner diesmal auf ihn wartet. Dafür nutzt Hakan eine türkische Themenfindung-Website und macht sich die Woche über Notizen, wenn er eine neue Redewendung oder sonst etwas hört, das er noch nicht kennt. Was ist zum Beispiel ein „Hau den Lukas“  oder ein „Pranger“? 

Eine gute Gelegenheit, den gelernten Wortschatz praktisch anzuwenden und zu erweitern, sind die Vater-und-Sohn-Comics, von denen die beiden jeden Sonntag einen besprechen. „Das sind reine Bildgeschichten“, erklärt Thomas. „Die sind zwar schon ein bisschen älter, aber dann versuchen wir eben, das ins Heute zu übertragen“. Regelmäßiger Programmpunkt der Treffen sind auch Pro und Kontra Diskussionen. Die mag der Bonner besonders, gerade wenn es um weniger offensichtliche Themen geht wie „Wird Spargel überschätzt?“

Beide freuen sich jede Woche auf den Sonntag. „Das ist eine gute Motivation für mich und auch eine menschliche Chance“, sagt Hakan. Irgendwann möchte er in der Lage sein, auch philosophische Werke auf deutsch lesen und abstrakte Gedankengänge in dieser Sprache äußern zu können. Deshalb mag er auch die Sprach-Nerds und die Liedtexte-Gruppe bei Little World, bei denen Thomas einer der Moderatoren ist. Die beiden können über alles reden, ob über die deutsche Bürokratie, persönliche Probleme oder auch über schöne Momente. „Wir sind alle Menschen“, sagt Hakan, „und jeder braucht mal Hilfe. Durch Little World fühle ich mich nicht mehr allein“.

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Annette
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