Ute und Guljakhon

Der Sprache Seele geben

„Keiner redet im echten Leben so wie man es im Unterricht lernt“, sagt Ute. Daran erinnert sich die 55-jährige Schwarzwälderin noch aus ihrer Schulzeit und das sieht sie jetzt wieder bei ihrer Gesprächspartnerin bei Little World. Guljakhon, genannt Jane, kommt aus Usbekistan und mag Sprachen. Deutsch ist schon die sechste Sprache, die sie lernt. Sie weiß: „Sprache ist auch Austausch und Kultur“.

Zuerst hatte die 35-Jährige ein bisschen Angst davor, auf wen sie bei Little World treffen würde. „Damals war mein Deutsch noch nicht so gut, das war mir peinlich“, erzählt sie. Auch ihre Gesprächspartnerin war „tierisch aufgeregt“, weil sie nicht genau wusste, was sie erwarten würde. Sollte sie da jetzt eine Deutschstunde abhalten? Doch schnell wurde klar, dass es darum geht, Guljakhon die Gelegenheit zu echten Gesprächen mit einem echten Menschen zu geben. 

Ähnliche Bräuche

„Ich bin so glücklich mit Ute“, schwärmt Guljakhon, „weil unsere Persönlichkeiten so gut zusammenpassen“. Ob Kunst, Kultur oder sonstige Interessen: da haben sich zwei gefunden. Ihre wöchentlichen Treffen online dauern ungefähr eine Stunde, ihre Gesprächsthemen bereiten sie längst nicht mehr vor. „Da habe ich irgendwie blockiert“, lacht die Usbekin. 

Zusammen mit Ute hat sie herausgefunden, dass die Deutschen und die Usbeken einige ähnliche Bräuche haben. „Zum Beispiel Brot und Salz schenken, wenn jemand in ein neues Haus einzieht“, sagt Guljakhon. Es ist für beide spannend, die Kultur der anderen zu entdecken. „Am Anfang wusste ich nur sehr wenig  über Usbekistan“, erinnert sich Ute. Jetzt lernt sie auch noch etwas  über die Unterschiede zwischen den Turksprachen wie dem Usbekischen und der deutschen Sprache. „Einmal haben wir entdeckt, dass der Name meines Katers Mumin auf usbekisch ‘der islamische Gläubige‘ bedeutet. Ich habe ihn aber nach den skandinavischen Mumins benannt“, erzählt Ute. „Das war witzig!“, bestätigt Guljakhon.

Nicht mehr übersetzen

„Ich hatte keine Ahnung, wie wenig die Sprachkurse mit dem echten Leben zu tun haben“, bemängelt Ute. „Da geht es nur um Grammatik. Da fehlt doch die Seele der Sprache!“ Guljakhon nennt es „das Salz im Salat“. Sie berichtet, dass sie sich zu Anfang kaum getraut habe, mehr als Hallo und Tschüss zu sagen. Alles musste sie zuerst im Kopf übersetzen. Doch nach wenigen Monaten mit Ute stellte sie plötzlich fest, dass das nicht mehr nötig war. „Jetzt kann ich sogar die Interviewfragen für diesen Beitrag verstehen und beantworten“, freut sich Guljakhon.

Beide Frauen sind sehr froh, Little World und einander gefunden zu haben. „Da geht es nicht bloß um Sprache“, fasst Ute zusammen. „Da entstehen Freundschaften und du lernst Menschen und Kulturen kennen, auf die du sonst nie treffen würdest.“ Beide finden es wichtig für die Gesellschaft, um das Verständnis füreinander zu vergrößern und Vorurteile abzubauen: „Man muss immer den Menschen dahinter sehen.“

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Annette
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