„Die Alltagssprache ist eben anders als das, was man aus Büchern lernt“, sagt Merve. Die 33-jährige Maschinenbauingenieurin lebt seit anderthalb Jahren in Deutschland und beginnt demnächst mit dem B2-Kurs. Aus früheren Kursen berichet sie, dass sie dort kaum Gelegenheit hatte, mit Muttersprachler:innen zu reden. Umso glücklicher ist sie darüber, auf Little World seit einigen Monaten mit Thomas sprechen zu können.
„Es ist eine schöne Sache, sich mit Deutschlernenden unterhalten zu können und ihre Fortschritte mitzuerleben“, freut sich der 58-Jährige. Er ist durch den Tipp eines Bekannten zu Little World gekommen. „Mit einer Gesprächspartnerin aus der Türkei hatte ich gar nicht gerechnet“, erzählt der Vorruheständler. „Das ist aber spannend, denn ich war auch schon zweimal im Urlaub dort.“ So konnte er mit Merve, die aus Istanbul stammt, gleich einige Anknüpfungspunkte finden und mehr über die Geographie des Landes erfahren.
Viele verschiedene Themen
Am Anfang haben sich die beiden noch auf ihre Gespräche vorbereitet und Themen ausgesucht, aber sie schweiften doch jedes Mal ab. Mittlerweile ergeben sich die Themen von ganz alleine. Was ist seit dem letzten Gespräch im Leben der beiden passiert, was haben sie sich bis zum nächsten Mal vorgenommen, was macht die Familie? Es geht um deutsche Kultur, Regeln und Bräuche, Sehenswürdigkeiten oder wichtige Firmen in Hamburg, wo Merve wohnt, oder aktuelle Themen wie die Fußball-WM.
Thomas hat von Merve gelernt, was der Unterschied zwischen türkischem Döner und griechischer Pita ist. Die junge Frau wiederum hätte nicht gedacht, dass sie lernen würde, die deutsche Sprache so zu mögen. „Ich freue mich darauf, deutsche Bücher lesen zu können.“
„Der Gesprächsfluss ist wichtig“, betont der frühere Informationssicherheitsbeauftragte. Deshalb versucht er, Merve nicht zu viel zu korrigieren. „Thomas ist sehr geduldig, auch wenn ich Fehler mache“, berichtet die Türkin. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass er sich diese Zeit nimmt.“
Berührungsängste abbauen
Beide bestätigen, dass solche Gespräche etwas in den Menschen verändern. „Es mag nur ein kleiner Baustein sein“, sagt Thomas, „aber das hat einen Kaskadeneffekt, wenn ich anderen davon erzähle.“ Für ihn ist Little World ein Brückenbauer, mit dem Berührungsängste abgebaut werden können.
Kürzlich wären sich die beiden beinahe zufällig begegnet. Wie sich herausstellte, waren sie am selben Wochenende in Amsterdam und hatten im Abstand von 30 Minuten auf derselben Brücke aus denselben Winkeln Fotos gemacht. „Seitdem erzählen wir uns vorher von unseren Reiseplänen“, lachen die beiden. Da Thomas viel Rad fährt, hat er sich vorgenommen, im Sommer mal nach Hamburg zu fahren, damit er und Merve sich tatsächlich treffen können.
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