Wer mit Liubov spricht, muss schon aufpassen, um zu hören, dass sie keine deutsche Muttersprachlerin ist. Denn ihr Deutsch ist inzwischen so gut, dass sie selbst anderen Deutschlernenden weiterhelfen kann. Eine Anzeige von Little World auf LinkedIn weckte im Herbst 2025 ihre Neugier. Nervös meldete die C1-Absolventin sich zum Einführungsgespräch an. „Zuerst hatte ich ja so ein bisschen Imposter-Syndrom“, gesteht Liubov. „Aber dann dachte ich, dass ich mit meinen Erfahrungen für die, die hier neu sind, bestimmt hilfreich sein kann.“
Stereotype und Kulturschocks
Nachdem ihr Mann zum Arbeiten nach Deutschland kam, zog die Russin zu ihm nach Berlin. „Als ich gesehen habe, wie verbreitet das Ehrenamt in Deutschland ist, war das für mich schon so ein positiver Kulturschock. Das gibt es so in Russland nicht“, erinnert sich Liubov, die schon von der Datenanalystin bis zur Übersetzerin und UX-Writerin beruflich tätig war. Nach einer Ausbildung im Digital Learning Development sucht sie jetzt Arbeit im Bereich digitales Sprachenlernen. Ein anderer Kulturschock bei ihrer Ankunft vor dreieinhalb Jahren: Dass in Deutschland viele Ämter noch auf Briefpost setzen. „Ich hatte zu dem Zeitpunkt in Russland bestimmt schon zehn Jahre nicht mehr in den Briefkasten geschaut!“ So lernte die heute 34-Jährige einiges über die deutsche Bürokratie, das sie heute an ihre Gesprächspartner bei Little World weitergeben kann.
Davon hat die Liubov inzwischen schon die dritte. Mit der ersten kam nicht mehr als ein Gespräch zustande. Mit der zweiten Gesprächspartnerin aus der Türkei klappte es gut, bis diese es irgendwann zeitlich nicht mehr schaffte. „Ich war überrascht, wie viele gemeinsame Themen wir hatten, obwohl wir aus so verschiedenen Kulturen kommen“, bemerkt die Ehrenamtliche. Und sie hat dabei einiges gelernt. Zum Beispiel, dass es in der Türkei durchaus kalte Regionen gibt, in denen auch viel Schnee fällt. „Ich dachte, da wäre es überall immer warm“, lacht Liubov über ihr früheres Stereotyp. Dabei war sie selbst schon in der Türkei gewesen, aber eben nur in den warmen Regionen. Mit ihrer dritten Gesprächspartnerin hat sie gerade erst angefangen.
Auch bei Gruppengesprächen dabei
Da sie eigentlich eher schüchtern ist, dauert es ein wenig, bevor sie sich auch zu den Gruppengesprächen traute. „Aber ich wollte mich als Teil der Community fühlen, also habe ich all meinen Mut zusammengenommen“, erzählt Liubov. „Und das macht solchen Spaß!“ Bei den Kennenlern-Gesprächen am Mittwoch lernt sie jede Woche zwei, oder mehr neue Leute in den Breakouts kennen. Und montags bei den Sprach-Nerds hat sie schon viel gelernt. „Wenn dann die Muttersprachler auch nicht weiter wissen und zu diskutieren anfangen, würde ich am liebsten Popcorn rausholen“, lacht sie.
„Menschen aus Smalltalk-Kulturen finden die Deutschen ja oft als sehr barsch und rüde“, hat die Wahlberlinerin beobachtet. Sie selbst empfindet das aber gar nicht so. Am Anfang dachte sie, sie müsse in den Gesprächen die Rolle der Lehrerin übernehmen. „Aber so ist das ja gar nicht“, weiß Liubov. „Man führt einfach freundliche Gespräche über Gott und die Welt, man ist für andere da und hört zu. Auf diese Weise kann man Stereotype abbauen, denn vorgefasste Meinungen hat jeder. Aber bei Little World kann man Menschen aus allen Kulturen kennenlernen. Das ist für jeden hilfreich, auch für Muttersprachler.“
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