Menschen sitzen im Gespräch an einem Tisch. Über ihnen leuchtet der Neonschriftzug Sprach-Nerds

Interaktiver Spaß mit Wörtern

Bei den Sprach-Nerds lernen alle voneinander

Welchen Wortschatz brauche ich, um die Wettervorhersage zu verstehen und welche Redewendungen gibt es mit Werkzeugen? Existiert ein Verb „leichtern“, wenn es „erleichtern“ gibt? Oder war das doch „leuchten“ und „erleuchten“? Wie unterscheidet sich umfahren von umfahren? Und wie macht ein deutsches Schwein, wenn ein ukrainisches „chrüchrü“ macht und ein ungarisches „röffröff“? Solchen Fragen gehen montagabends um 20 Uhr die Sprach-Nerds bei Little World mit großem Spaß auf den Grund. 

Kein Unterricht, sondern lebendiger Austausch

Die meisten von ihnen sind Deutschlernende, oft bis zu 15 oder 20 Teilnehmer. „Die Zeit vergeht immer sehr schnell.“, sagt Laszlo aus Ungarn. „Es ist kein Problem, dass wir unterschiedliche Sprachniveaus haben, denn wir können viel voneinander lernen. Die Themen wählen wir frei aus, es gibt keinen festen Unterricht oder klassischen Kurs.“ Die Ehrenamtlichen Annette, Helmut und Thomas moderieren lediglich das Gespräch und helfen mit anderen Muttersprachler*innen, wenn die Gruppe allein nicht weiterkommt. 

Doch es gibt auch immer wieder Fragen, auf die selbst die Muttersprachler*innen nicht einfach so eine Antwort wissen: „Was ist der Unterschied zwischen geben und übergeben?“ oder „Wann sagt man zurückkommen und wann wiederkommen?“ Da muss die Gruppe dann zusammen Detektiv spielen. „Ich finde es erstaunlich, welche Fragen teilweise gestellt werden – Fragen über die deutsche Sprache, die ein Muttersprachler nicht stellen würde, weil sie für ihn selbstverständlich sind.“, erzählt Ute, die ganz neu als Ehrenamtliche bei Little World aktiv ist.  

Auch Annette, Moderatorin der Sprach-Nerds, staunt immer wieder über die Themenvorschläge der Deutschlernenden wie „Können wir mal über die Bedeutungsfelder von Präfixen reden?“ Was furchtbar trocken klingt, wird dank der Beispiele aus der Gruppe schnell lebendig und für den Alltag verständlich gemacht. „Beim Verabschieden regnet es immer Herzchen und Daumen hoch“, freut sich die Moderatorin.

Wortschatz spielerisch erweitern

„Unsere Treffen vergehen immer schnell, da sie interaktiv und mit verschiedenen Übungen oder Spielen gefüllt sind“, beschreibt Amina aus Montenegro ihre Erfahrung. Während die einen im Gespräch Sätze zur praktischen Anwendung sammeln, notieren andere ihre bereits diskutierten Wortbeispiele im Chat. Manche spaßen auch schonmal mit Wortspielereien herum wie „Der Übergeber übergibt das zu übergebende Geschenk bei der Übergabe“ oder warum die reflexive Variante von diesem Verb weniger appetitlich ist und wie das umgangssprachlich heißt. So ist die Gruppe schon in lustige Situationen gekommen – aber bitte mit Akkusativ! 😉

Wortwolke zum Wortstamm kommen

“Bei den Sprach-Nerds, bekomme ich durch die Fragen und Kommentare aus der Runde immer wieder völlig neue Perspektiven auf meine Sprache, die mich schon immer fasziniert.”, freut sich Co-Moderator Helmut und Thomas fügt hinzu: „Als jemand, der es selbst liebt, mit Sprache umzugehen, freut es mich jedesmal wieder zu sehen, dass Deutsch auch Menschen mit anderer Muttersprache so viel Spaß machen kann.“

“Ich finde das Spielen mit Worten spannend, genauso wie das bewusste Analysieren und Erklären, die geteilten Erfahrungen und Blickwinkel der Teilnehmenden. Dies schärft meinen eigenen Blick auf meine Muttersprache.“, sagt Timo.  Er ist immer wieder beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der sich die Deutschlernenden die Sprache aneignen, und wie groß ihr Interesse an der deutschen Sprache generell ist. 

Praktisches für den Alltag

„In den Gruppengesprächen der Sprach-Nerds gibt es so viele „Aha“-Momente, in denen die Lernenden nicht nur verstehen, was deutsche Wörter und Ausdrücke wörtlich bedeuten, sondern auch, was wirklich gemeint ist, wenn sie im Kontext, im alltäglichen Deutsch, verwendet werden“, sagt Community-Managerin Maddy. „Es ist wunderbar, die Reaktionen der Lernenden zu sehen, wenn endlich der Groschen fällt.“

„Ich finde die Gruppe interessant und habe dort schon viel gelernt“, sagt Shan-Jung aus Taiwan über die Sprach-Nerds. „Mir gefällt besonders, dass ich authentische Ausdrücke von deutschen Muttersprachlern lerne und dabei auch viel über deutsche Gewohnheiten erfahre“, freut sich Jinok aus Südkorea. Genau wie  Amina hat sie einige Redewendungen, die sie in der Gruppe gelernt hat, bereits in ihren Alltag integriert. Zum Beispiel „wie ein Stein schlafen“ oder „Es liegt mir auf der Zunge“. 

Deshalb empfiehlt Jinok die Teilnahme an der Gruppe auf jeden Fall weiter: „Solche lebendigen Ausdrücke findet man kaum in Lehrbüchern.“ Frühaufsteher Laszlo fügt hinzu: „Obwohl ich kein Nachtmensch bin, versuche ich trotzdem, an diesen Abendterminen teilzunehmen. Mir gefällt das sehr, weil sich dort ganz freiwillig immer ein gutes Team trifft.“ Und Amina ergänzt: „Ich empfehle die Gruppe von Herzen denjenigen, die schon fortgeschritten in ihrem Spracherwerb sind und eine Gelegenheit suchen, ihre Sprachkenntnisse weiter zu verfeinern.” 

Bist du auch ein Sprach-Nerd?

Dann komm montags von 20 bis 21 Uhr einfach dazu. Den Zugang zur Gruppe und alle Notizen zu den bisherigen Treffen findest du in deinem Little-World-Profil über den Tab Gruppengespräche > Sprach-Nerds. 

Unter sprachnerds@little-world.com kannst du Themen vorschlagen.

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#LittleWorld ist ein gemeinnütziges Social-Tech-Startup, das mit einer digitalen Plattform interkulturelle Begegnungen durch Gespräche zwischen Deutschsprachigen und eingewanderten Deutschlernenden fördert.

Hier trötet das Blog von Little World, Antworten auf diese Tröts werden nach Freigabe auch im Blog als Kommentar gespiegelt. Wenn Du jemanden vom Team persönlich ansprechen willst, dann schreib an @oliverberlin@nrw.social (CEO), @timschupp@nrw.social (CTO), @MelinaBosch@mastodon.social (CMO) oder @annette@bonn.social (Blogredaktion).

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